Das Werdauer Kaufhaus Ringer & Co., 2026



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  Das Stadt- und Dampfmaschinenmuseum Werdau zeigt vom 02.11.2026 bis 30.11.2026 in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv eine Ausstellung im Werdauer Rathaus über das Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Ringer und die Mechanismen nationalsozialistischer Gewalt. Die Familie prägte über drei Jahrzehnte das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben der westsächsischen Kleinstadt.

Seit 1900 führte die Familie ihr traditionsreiches Kaufhaus, ab 1906 am Werdauer Marktplatz Nr. 6 mit einem vielseitigen Sortiment von Haushaltsgegenständen bis hin zu Luxuswaren. Mit der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 begann die systematische Entrechtung und Verfolgung.

Anhand von Archivalien, Dokumenten und Fotografien zeichnet die Schau diesen Weg nach – von den ersten antisemitischen Gesetzen über die Novemberpogrome 1938, bei denen das Kaufhaus unter den Augen Schaulustiger zerstört und Bernhard Ringer schwer misshandelt wurde, bis hin zur Verschleppung in Konzentrationslager.

Ein Pfeiler der Ausstellung ist die wissenschaftliche Provenienzforschung, die im Rahmen der vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten und von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden begleiteten Erstchecks in sächsischen Museen stattfand. Dabei konnte das historische Geschäftsschild der Firma Ringer im Museumsbestand identifiziert werden; es war dem Museum 1966 von einem Werdauer Bürger übergeben worden. Diese kritische Untersuchung steht exemplarisch für die Suche nach NS-Raubgut und zielt im Sinne der „Washingtoner Prinzipien“ auf eine gerechte Lösung mit den Nachfahren ab.

Ein emotionaler Höhepunkt des Gedenkens war die Verlegung von vier Stolpersteinen direkt vor dem Haus Markt 6, wodurch die Namen von Bernhard, Martha, Hans Wilhelm und Ruth Ringer im Jahr 2025 dauerhaft in den städtischen Raum zurückkehrten.

Ergänzend dazu bieten das Museum und das Stadtarchiv ein kostenfreies Vermittlungsprogramm für Schulklassen ab der 8. Klasse an. Das Angebot ist Teil des Projekts „Kunst, Raub und Rückgabe – Vergessene Lebensgeschichten“ (www.kunst-raub-rueckgabe.de) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Friede Springer Stiftung gefördert.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Werdau im Rathaus kostenfrei zu besichtigen.